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Exkursion des Jahrgangs MSS12 zum Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ am 16.10.17

Bericht von Jakob Jenderek

Geschichte:

Die Völklinger Hütte ist eine von derzeit 36 Weltkurwerbestätten der UNESCO in Deutschland. Sie ist ein ehemaliges Eisenwerk im Saarland bei der Stadt Völklingen und wurde von einem Hütteningenieur Namens „Julius Buch“ 1873 gegründet. Dieser ging jedoch schnell an diesem Projekt pleite, da er Roheisen aus dem Ausland über mehrere Landesgrenzen importieren musste und damit hohe kosten für Zölle verbunden waren. Das Eisenwerk wurde bald unrentabel. 1882 kam jedoch unter Carl Röchling ein Neuanfang. Er kaufte die Anlagen und baute sie nach der Stilllegung aus, um zwei Jahre später die Hochöfen wieder hochzufahren. 1895 war die Völklinger Hütte das größte Eisenwerk in Deutschland und somit Hauptlieferant von Stahl! Ein Jahr später wurde das Werk, mit Hilfe neuer Techniken wie z.b. „Das Thomas Verfahren“ upgedatet und verbessert. Diese Veränderung zeigte schon schnell Erfolge und das Werk wuchs weiter. Allmählich wurde das Werk mit eigenen Abbaustätten und Herstellungsstätten ausgerüstet um z.b. möglichst billig Kohle und Koks für Erhaltung der Temperatur im Hochofen bereit zuhaben. Im Laufe der nächsten 60 Jahre wurde die Hütte immer weiter ausgebaut. Sie bekam eine eigne Gasgebläseeinheit, welche Luftdruck für die Hochöfen erzeugte, sowie eine Hängebahnanlage für die Beschickung von Eisen und somit den Transport von der Lagerstätte zu den Hochöfen. 1928 wurde das Eisenwerk dann mit einer der modernsten Sinteranlagen ausgestattet, Sie erlaubt das Recycling von Abfallprodukten wie Gichtstaub und Feinerz. Da die Hütte so lange schon besteht, hat diese natürlich auch beide Weltkriege miterlebt. Zur Zeit des, Zweiten Weltkrieges war die Völklinger Hütte eines der Hauptproduzenten von Stahl und Eisen für die Kriegsmaschinerie, Während dieser Zeit arbeiteten ca. 70.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene an den meist sehr gefährlichen Arbeitsplätzen. Im Jahr 1965 zählte die gesamte Produktions- und Verwaltungsebene ca 17.000 Arbeiter. Die weltweiten Stahlkrisen 1975 und am Anfang 1980 schadeten auch der Völklinger Hütte und bewirkten deren Stilllegung im Jahre 1986. Heute wurde die alte Anlage durch ihren Nachfolger Saarstahl abgelöst und dient nun als Museum der UNESCO.

 

Zum Besuch in der Völklinger Hütte:

Während der Führung wurde erstmals das Ausmaß der Fabrik erkennbar, unzählige Hallen und endlose Rohre prägten das Bild, Die erste Station, an der wir Halt machten, war die Gebläsehalle! Es riecht noch immer ganze 20 Jahren nach der Stilllegung nach Maschinenöl! In der Gebläsehalle stehen riesige Gasmaschinen, welche mit Gichtgas angetrieben wurden und den Wind für die Hochöfen erzeugten. Mit der verdichteten Luft ging es über eine Rohrbrücke auf die andere Seite der Straße in die eigentliche Anlage. Beim Überqueren der Besucherbrücke fielen mir die Eisenbahnstrecken auf, welche sich durch das Gelände vorbei an der Sinteranlage zogen. Es waren die Transportstrecken für die Kohlezüge, die die Rohstoffe von den Minen in die Fabrik brachten. Uns wurde zu den ganzen Informationen der Eisenherstellung auch andere Fakten genannt, wie dass die Arbeiten in dieser Zeit oft tödlich enden konnten. Die Arbeitsunfälle in der Fabrik waren monatlich absehbar. Die meisten Arbeiter kamen an den Hochöfen auf der Gichtbühne ums Leben, denn dort konnte beim Öffnen Gichtgas aus dem Ofen austreten. Gichtgas kann man nicht riechen, sehen oder schmecken, so dass das Austreten sich nicht bemerkbar machte. Unser Museumsführer erzählte uns, dass es zwar Sicherheitsmaßnahmen wie Gasmasken und Drucksensoren gab, diese aber schlicht nicht benutzt wurden, da es unter den Gasmasken extrem heiß war und somit das Atmen erschwerte wurde. An diesen Station standen auch zur Zeit des Zweiten Weltkrieges meist Zwangsarbeiter wie Juden und Kriegsgefangene. Die Sinteranlage war die zweite Station. Hier wurde das erste Mal die Industrielle Revolution spürbar. Die Anlage wurde als die beste und modernsten Anlage der damaligen Zeit bezeichnet. Wie man sieht, entsteht beim Prozess des Sinterns viel Staub, welche die Arbeiter meist einfach liegen gelassen haben. So liegt wie auf der Abbildung auch noch 20 Jahre später alter Staub und Erzreste. Nach der Besichtigung der Sinteranlage liefen wir über weitere Gleisstrecken, welche zu einem großen Bahnhof führen. Wie man erkennen kann, befinden sich links und rechts entlang der Bahnstrecke sogenannte Bunker (Silos), wo nun der Zug über die Schienen einfuhr und die Silos mit Sinter, Schrott, Kalk, Koks und Eisenerz befüllte. Dies waren die Zutaten für das Gemisch im Hochofen. Die Lagerhalle wird auch Möllerhalle genannt. In den Bunkern selbst befindet sich zur Zeit die „4. Urban Art Biennale 2017“ Ausstellung, es ist das größte Urban-Art-Projekt der Welt und präsentiert knapp 100 Künstler des 21. Jahrhunderts mit 150 Werken aus 17 Ländern und 4 Kontinenten. In den leeren Erz-Silos werden Bilder mit aktuellen Geschehnissen ausgestellt. Der Fokus liegt hierbei auf der Urban-Art Südamerikas! Nach dem Bereich der Möllerhalle kommen wir zum eigentlich Herzstück der Anlage: die Hochöfen, knapp 43 Meter hoch und gewaltig mit verschiedenen Abteilungsebenen in die Höhe ragend. Bevor wir die langen Treppen erklommen, zogen wir einen Schutzhelm an, welcher uns auf dieser Höhe vor tief gebauten Streben und Rohren schützen sollte. Nach dem Ersteigen der gefühlt 10000 Stufen kamen wir auf der Gichtbühne in 27m Höhe an. Sie dient der Befüllung der Hochöfen von oben mit 15 Hängebahnwagen pro Befüllvorgang. So wurden immer abwechselnd die verschiedenen Zutaten wie Koks, Schrott, Sinter und Zusatzstoffe in Schichten in den Ofen gekippt. Wie man im Bild sehen kann, wurde bei der Befüllung die Haube nach oben hin geöffnet und die Charge direkt in den Ofen geleert. Beim Vorgang des Öffnens konnte es dazu kommen, das Gichtgas (ein Abfallprodukt welches beim Kochen entsteht) austreten konnte. Unser Museumsführer erklärte uns, dass auf der Gichtbühne immer zwei Totenbahren lagen um bei Unfällen nicht die Verletzten abzutransportieren, sondern die Toten! Dieser Fakt zeigte nochmals, dass das Risiko, bei der Arbeit zu sterben nicht gerade gering war. Der vorletzte Abschnitt der Führung brachte uns ganz nach oben auf 43m Höhe. Von dieser Aussichtsblattform aus wurde uns eine Sicht über ganz Völklingen und andere Industrie Komplexe, wie die Anlagen von Saarstahl geboten! Die letzte Station, bevor die Führung beendet wurden, brachte uns zurück auf den Boden unten an den Hochofen zum Abstich ran. Von hier aus wurden die Öfen mit einer großen Abstichmaschine geöffnet. Das flüssige Eisenerz floss dann über eine Bodenmulde auf eine andere Ebene und in große Eisenbehälter von Zügen. Meiner Meinung nach war das Besichtigen dieser Stätte ein tolle Gelegenheit sich in die Zeit der Industriellen Revolution zu begeben. Der Einblick in die damaligen Techniken ist gewaltig und auch beängstigend. Im Vergleich hatte die Völklinger Hütte an die 17 Tote im Jahr zu beerdigen, heute ist es maximal ein Toter in drei Jahren.