Gymnasium Edenkoben

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern


Erfahrungsbericht der Seminarwoche in Berlin (11/2011)

„Demokratie ist kein Zufall" – unter diesem Motto veranstaltete das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold vom 13. bis 17. November eine Seminarwoche in Berlin, an der vier Schülergruppen mit insgesamt 58 Schülern aus Rheinland-Pfalz und Hessen teilnahmen.

In Berlin angekommen, wurden wir mit Kaffee und Kuchen empfangen und hörten einen kurzen Vortrag von Hans Bonkas, dem Vorsitzenden des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Er erzählte uns von seinen Kriegserfahrungen und erläuterte uns, warum er dieses Seminar veranstaltet. Ein wichtiger Grund war politische Meinungsbildung.

Unser erstes Ausflugsziel war am nächsten Morgen das Paul – Löbe - Haus. Hier führten wir eine Diskussion mit Hubertus Heil (SPD). Es gab die Möglichkeit, ihm verschiedene Fragen zu stellen, welche von der Gruppe auch mit viel Interesse wahrgenommen wurde und so kam es zu Themen, wie dem Euro-Rettungsschirm oder auch Fachkräftesicherung in Deutschland. Im Anschluss gab es gegen halb 12 Mittagessen und eine kurze Führung im Reichstagsgebäude.

Der Dienstag hörte sich zunächst kurz an, da nur eine Stadtrundfahrt auf dem Tages-Plan stand. Allerdings war es keine gewöhnliche Stadtrundfahrt: wir fuhren zur Gedenkstätte Plötzensee. Das Strafgefängnis Plötzensee wurde zu Zeiten des Nationalsozialismus auch als Untersuchungsgefängnis für politische Strafverfahren genutzt. Die Haftbedingungen verschärften sich. Mit diesem Besuch wurden meine Eindrücke vom ersten Tag verstärkt. In der Gedenkstätte gab es zwei offene Räume: in einem standen viele Informationstafeln, wodurch wir auch das Wissen aus der Gedenkstätte des deutschen Widerstandes noch einmal vertiefen konnten. Der zweite Raum, in dem die Widerständler erhängt wurden, ist heute Gedenkraum und verdeutlichte besonders für mich die Grausamkeit des Dritten Reiches. Den nächsten Halt machten wir an der Gedenkstätte Berliner Mauer „Bernauer Straße". Hier gibt es eine Nachstellung des Todesstreifens, außerdem eine kleine Ausstellung. In dieser konnte man zum Beispiel den genauen Verlauf der Berliner Mauer nachvollziehen.

Mittwochs besuchten wir die Gedenkstätte Hohenschönhausen. Dieses Stasi - Gefängnis wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst als sowjetisches Untersuchungsgefängnis genutzt und Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS), der Geheimpolizei der SED, übernommen. In dieses Gefängnis kamen vor allem Menschen, die aus der DDR zu flüchten versuchten oder politischen Widerstand leisteten.

Zur Mittagszeit fuhren wir in die rheinland - pfälzische Landesvertretung in den Ministergärten. Hier wurde zuerst über das Gesetzgebungsverfahren des Bundes gesprochen und schließlich gab es wieder die Möglichkeit zum Gespräch. Vor dem Essen verabschiedete sich Hans Bonkas von uns.

Für mich waren die fünf Tage eine Zeit, die mir viel zu denken gab. Alles, was uns gezeigt wurde, war interessant aber auch teilweise sehr schwer nachzuempfinden, da wir heute gar kein Gefühl mehr dafür besitzen, warum viele Ereignisse sich damals so zugetragen haben. So war es für mich sehr wichtig zu erfahren, dass die heutige Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Wir sollten mit der Demokratie respektvoll umgehen, denn sonst geht sie verloren.

Dorothea Neuwald, MSS 12

Gymnasium Edenkoben

Die Fahrt wurde finanziell unterstützt von der