Gymnasium Edenkoben

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Intensivprobe der Theater-AG in der JH Mannheim

"Kill your Darlings" vom 10.-11.02.2017

Am Freitag, den 10. Februar 2017, machte sich die Theater-AG des Gymnasiums Edenkoben, bestehend aus 14 SuS und der AG-Leiterin Hanne Samsel am frühen Morgen auf den Weg, in der Jugendherberge Mannheim ihr für Mai geplantes Theaterstück „Andorra" von Max Frisch zu proben. In dem 1961 in Zürich uraufgeführten Stück geht es um den jungen Andri, der in der andorranischen Gesellschaft zunehmend wegen seines angeblichen „Judseins" abgelehnt wird und durch die Vorurteile der anderen immer mehr in seiner Identität verunsichert wird. Max Frisch hat oft betont, dass er nicht den konkreten Zwergstaat „Andorra" im Blick hatte, sondern Andorra der „Name für ein Modell" sei. Dieser zeige „den Prozess einer Bewusstseinsveränderung", in dem die Umwelt die Hauptfigur Andri „so lange zum Anderssein zwingt, bis er sein Schicksal annimmt."

Bisher hatten wir fast alle Szenen schon in einem dicht gedrängten Probenplan einmal geübt und dabei grundlegende Inszenierungsideen entwickelt. Nun sollte es vor allem darum gehen, das gesamte Stück zu spielen und die Abfolge der Einzelszenen sowie das Gesamtkonzept zu überprüfen. Im Januar hatten wir bereits eine Aufführung des Stückes im Sandkorn-Theater in Karlsruhe angeschaut und dabei festgestellt, dass uns zwar einige Ideen dieser Inszenierung sehr gut gefallen haben, wir aber durchaus eigene und vor allem andere Akzente setzen wollen.

Die Jugendherberge hat uns für die beiden Tage einen wunderschönen und lichtdurchfluteten Tagungsraum unter dem Dach zur Verfügung gestellt, wo wir völlig ungestört arbeiten konnten. Mit vielen Bildern von den Figuren und der Inszenierung im Kopf starteten wir zunächst mit Hilfe von Rollenbiographien, Warm-up-Übungen und Standbildern uns in das Stück und die Rollen einzufühlen. Anschließend standen die letzten beiden Szenen des Stücks noch als „Proben-Premiere" an. Da vor allem das letzte „Bild" (so nennt Frisch seine Szenen) alle Schauspieler auf die Bühne bringt und durch seine Länge sowie viele Wechsel der Konstellationen eine echte Herausforderung für Spieler und Regie darstellt, haben wir hierfür viel Zeit aufwenden müssen. Am Ende waren wir allerdings überzeugt davon, dass sich diese Mühe gelohnt hat. Auch kurze Filmsequenzen, die im Stück projiziert werden, konnten wir an diesem Tag bereits einstudieren und dank Maltes mitgebrachtem Technik-Paket in den Kasten bringen.

Am Abend haben wir uns Katharina Ramsers Inszenierung der „Physiker" von Friedrich Dürrenmatt – ein Gastspiel des Pfalztheaters Kaiserslautern – im Pfalzbau in Ludwigshafen angeschaut und waren begeistert von der pointen- und geistreichen Aufführung des Komödienklassikers. Am nächsten Tag haben wir uns der vielleicht unangenehmsten und schwierigsten Aufgabe gewidmet, nämlich die Textvorlage von Max Frisch zu kürzen – nach der theatererprobten Devise: Kill your Darlings! Das bedeutet den manchmal schmerzhaften Prozess sich (auch) von Lieblingsszenen zu trennen, den Gesamttext immer wieder auf das Wesentliche zu reduzieren, um das eigentliche Ziel zu erreichen, nämlich die Gesamtaufführungsdauer von 1,45 Stunden nicht zu überschreiten. Als wir dann die gekürzte Fassung in einem Rutsch durchgespielt haben, wurde deutlich: Der Rotstift muss noch einmal angesetzt werden – und zwar möglichst rasch, damit die Schauspieler sich ihrer Hauptaufgabe widmen können, nämlich ihren Rollentext auswendig zu lernen. Gerade für die Hauptrollen Andri (Samuel Kirchmer), seinen Vater (Jakob Fecht), Barblin (Lina Schneeganss) und auch für den Soldaten (Vicky Blume) bedeutet das – wie für die anderen Rollen natürlich auch – ein großes Stück Arbeit, das neben Schule und vollem Alltag bewältigt werden muss.

Am Ende sind wir noch näher als Schauspieltruppe zusammengerückt und mit einem zufriedenen Gefühl im Bauch nach Hause gefahren und ich möchte auf diesem Weg meinen Spielerinnen und Spielern danken, die trotz einiger grippeartiger Anfeindungen und gerade bewältigter Abiturprüfungen (Danke, Jakob!) sich ALLE die Zeit genommen haben, diese Intensivprobe mit so viel Engagement, großartigen Ideen und starker Spielfreude mitzugestalten. – So hoffen wir natürlich, dass unsere Aufführungen am 10. und 11. Mai 2017 in der Aula des Gymnasiums Edenkoben gut besucht werden und sich möglichst viele Mitglieder der Schulgemeinschaft anschauen, was in diesem Schuljahr in der Theater-AG entstanden ist.

Hanne Samsel