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Die Räuber 2.0 - Die Theater-AG auf Schillers Spuren

Die Theater-AG des Gymnasiums Edenkoben unter der Leitung von Hanne Samsel und Miriam Weidner bereitet sich gerade intensiv auf ihre Inszenierung „Die Räuber 2.0“ vor, die am 13. und 14. Juni 2018 in der Aula der Schule aufgeführt werden soll.

 

Wie geht man mit einem Drama um, das über 200 Jahre alt ist, dennoch laut dem deutschen Bühnenverein zu den Top-Ten der meistgespielten Stücke zählt? Wer sind die Räuber heute und was bewegt sie, sich außerhalb der Gesellschaft zu stellen und Ordnung und Gesetz zu missachten? Wie können wir Schiller’schen Pathos verständlich machen und uns dennoch von seinen stürmischen Wortsalven mitreißen lassen? - Das waren die ersten Fragen, denen wir uns am Anfang des Schuljahres bei der Beschäftigung mit Schillers Drama gestellt haben. Schnell waren ein paar Dinge klar:

1.       Unsere Räuber sind aktuell - ihre Probleme, ihre Wut richtet sich gegen die Anmaßungen und Missstände unserer Zeit.

2.      Die Sprache Schillers ist ganz große Kunst, vermag zu bewegen und hat solch eine Kraft, die wir auf jeden Fall nutzen wollten - statt sie auf vereinzelte Zitate zurück zu stumpfen. So reden unsere Hauptfiguren - die rivalisierenden Brüder Franz und Karl, Spiegelberg und auch der alte Moor - im Schiller-Sprech, doch einige andere, zum Teil neu ersonnene Figuren, entstammen auch sprachlich dem 21. Jahrhundert.

3.       Wir müssen kürzen und den Kern der Story herausschälen, sonst überstehen weder Spieler noch Zuschauer das Drama. Herausgekommen sind knappe zwei Stunden und ein interaktives Ende - und hoffentlich für alle Beteiligten ein kurzweiliges und intensives Stück.

 

Und trotz dieser Prämissen, einer eigenen Neufassung der Textvorlage und vieler guter Regie-Ideen, die in unserer basisdemokratischen AG von ALLEN beigesteuert werden, hatten wir bald schon den Eindruck, dass wir gerade für die Räuber-Szenen Impulse von außen gebrauchen könnten.

 

Workshop mit Stefan Roschy

So entstand die Idee, über den Landesverband Theater in Schulen einen Profi an die Schule einzuladen, der uns unterstützt eine stimmige Choreographie für die Räuber-Truppe zu finden bzw. diese zu präzisieren. Das Projekt „Künstler in die Schulen“ (KidS) der Stiftung „Rheinland-Pfalz für Kultur“ hat zum Ziel Theater-AGs und DS-Kurse an Schulen mit theaterpädagogisch tätigen Künstlern aus allen Bereichen der Theater-Kunst (Schauspiel, Musik, Tanz, Improvisation) zusammen zu bringen und so Impulse in die schulische Theaterarbeit hineinzutragen.

 

 

So konnten wir mit Hilfe des Landesverbandes den Schauspieler und Theater-Pädagogen Stefan Roschy für einen 4-stündigen Workshop am 25.04.2018 an unsere Schule einladen. Angetan von unserer Textfassung startete Stefan Roschy mit uns nach kurzem, aber intensivem Aufwärmen gleich mit der Arbeit. Wir stellten unsere „Problemszene“ erst einmal vor und konnten dann erfahren, wie wertvoll die Perspektive eines Profis sein kann. Mit geübtem Blick konnte Roschy uns nicht nur sagen, was bereits gut gelungen ist, sondern auch sehr deutlich machen, wo der Kern des Problems liegt.

 

„Es muss klar sein, wer, wo & wann etwas macht oder sagt - und an wen er seine Worte richtet.“

SITUATION und HALTUNG zu klären, das Spiel darauf zu konzentrieren und die Intention der einzelnen Spieler  auszudrücken - darauf kommt es im Theater an.

„Man muss euch glauben!“ - Diese Formel veranschaulichte uns Stefan - mit eindrucksvollen Beispielen, mit Überlegungen zum Subtext der Figuren (also dem, was sie wirklich meinen) und mit Hilfe von dynamischen Standbildern. So haben wir uns sortiert, die Figuren ausgelotet und geschärft und zuletzt den Ernst der Lage, in der sich unsere Räuber befinden, begriffen: Diese Typen sind gewaltbereit und schwören dem Räuberhauptmann Karl - gespielt von Duc-Nam Trinh - Treue bis in den Tod. - Dass dies nicht nur Worte sind, sondern ein ungeheuerlicher Ernst dahinter steht, das wurde uns durch den Workshop am Ende sehr deutlich. Das erfordert auch Entscheidungen - über die Haltung, die hinter jedem Satz steht. „Egal, ob ihr euch lustig macht oder gerade stinksauer seid - ihr müsst es meinen!“

 

Nach vier Stunden wussten wir alle, worauf es ankommt, aber auch, dass noch jede Menge Arbeit vor uns liegt. Doch es ist uns auch durch Stefans wertschätzende und positive Rückmeldung klar geworden, dass wir auf einem guten Weg sind und wie viel Spaß auch die Theaterarbeit macht. Denn dieser kam auch nicht zu kurz an diesem intensiven Nachmittag - für den wir uns bei Stefan Roschy und auch beim Landesverband Theater in Schulen sowie der Stiftung „Rheinland-Pfalz für Kultur“ bedanken, die diese bereichernde Zusammenarbeit erst ermöglicht haben.

Bericht von Hanne Samsel