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Zeitzeugengespräch am Gymnasium Edenkoben zum Thema „DDR-ein schwerer Weg"

Am 7. Februar besuchte uns Manuela Polaszczyk am Gymnasium Edenkoben um Schülerinnen und Schülern der Klassen 10a und 10b von ihrer Kindheit und Jugend im SED-Staat zu berichten.
Die Mittfünfzigerin ist in Baden-Württemberg geboren und siedelte im Alter von 6 Monaten mit ihrem Vater in die DDR über. Sie wuchs bei ihrem leiblichen Vater und ihrer Stiefmutter auf. Bereits im Alter von 14 Jahren wurde sie von der Stasi vernommen, als sie zufällig die Bekanntschaft von West-Jugendlichen machte.
In der Folge eckte die resolute und extrovertierte Jugendliche immer mehr an und beschloß schließlich mit einer Freundin über die Ostsee in die Freiheit zu schwimmen. Dabei wurden die beiden jungen Frauen aufgegriffen und in DDR-Untersuchungshaftanstalten festgehalten und immer wieder Verhören unterzogen.
Schließlich das Urteil: 2 Jahre und 4 Monate Gefängnis wegen versuchter Republikflucht. Die nunmehr 20jährige musste diese schwere Zeit im DDR-Frauengefängnis Hoheneck mit verurteilten Kriminellen, sogar Mörderinnen, verbringen. Manuela schilderte eindrucksvoll, welche demütigenden Situationen und Misshandlungen sie ertragen musste. Unter anderem wurde sie an ein Rohr gekettet und stundenlang mit kaltem Wasser geduscht. Im Gefängnis existierte auch eine Wasserzelle, in der renitente Häftlinge bei Dunkelheit in knietiefem Wasser stehen mussten.
Schließlich die Erlösung: Manuela wird in Folge der Haftentlassungen im Zusammenhang mit den Milliardenkrediten der Bundesrepublik an den chronisch klammen Arbeiter- und Bauernstaat in die Bundesrepublik abgeschoben.
Dort findet sie mit ihrem Vater wieder zusammen, der in der Zwischenzeit in die Bundesrepublik geflüchtet war. Nach dem Tod des Vaters der nächste Schock: Ihr eigener Vater hat sie gegen Geld bei der Stasi verraten. Auch ihre Stiefmutter war Information des berüchtigten DDR-Geheimdienstes.
20 Jahre kann sie nicht über ihr Schicksal sprechen. Doch dann beschließt Manuela, dass die Welt erfahren soll, was sie erdulden musste. Sie veröffentlicht Bücher über ihren Lebensweg, engagiert sich bei Opferorganisationen und tritt im Fernsehen bei Talkshows und Dokumentationen in Erscheinung.
Die Weitergabe ihrer Erlebnisse und ihres Lebensweges an die Schülerinnen und Schüler ist für sie eine wichtige Aufgabe. Denn - so das Schlusswort - „Freiheit ist das höchste Gut des Menschen“.


Stephan Krüger
(Fachschaft Geschichte)